Oh MercyRock & Pop/ Plattenbesprechungen Album Review: “Privileged Woes” Wenn Künstler nach Veröffentlichung ihrer ersten EP schon Vergleiche mit Augie March, den Go-Betweens oder sogar den frühen Crowded House aufgebürdet bekommen, dann könnte das auch einschüchternd und beklemmend wirken. Bei Oh Mercy aus Melbourne war dies zum Glück nicht so. Deren erstes Album „Privileged Woes“ knüpft nahtlos da an, wo die EP „In the nude for love“, die sie zu Stammgästen in der Triple J-Playlist gemacht hat, bereits vor über einem Jahr gestartet ist. Oh Mercy bestehen aus Alexander Gow und Thomas Savage, die zusammen die Songs schreiben und mit ihrer intensiven musikalischen Partnerschaft das Kernstück der Gruppe bilden. Außerdem gibt es einen Schlagzeuger und eine Bassistin. Das alleine sollte als Erklärung für alle Go-Betweens Vergleiche ausreichen, aber auch die Songs lassen qualitative Parallelen erkennen. Zwar fehlen Gow & Savage noch eine Menge der genialen Verschrobenheit, die McLennan & Foster auszeichneten, aber da die beiden Herren noch recht jung sind, kann das alles noch werden.
Das Album startet mit der zuckergusshaltigen, entspannten Single „Lay Everything On Me“, auf der Alexander Gow stimmlich sehr an The Panics oder eben Augie March erinnert. „Seemed like a good idea“ ist folk-pop, der einem sofort ins Ohr geht und sicher das Stück des Albums, das am meisten repräsentativ für „Priviled Woes“ ist. Oh Mercy gehen sehr gezielt dem Trend des Elektro-Rock/Pop/Was-Auch-Immer aus dem Weg und setzen auf handgemachte, authentische Musik.
Damit es auf Dauer nicht zu eintönig wird, gibt es einige klangliche Ausreißer, allerdings nicht so viele, dass das Gesamtbild gestört wird. In „Met A Wizard“ laufen die Gitarren mitten im Stück ein wenig Amok, was eher klingt als wollten nette Jungs einmal beweisen, dass sie auch anders können. „Get you back“ könnte eine 1:1-Kopie eines Songs von The Panics sein, weshalb man sicherheitshalber für ein paar weibliche Vocals der Bassistin sorgt. „Astrid No“ gibt den Takt vor für das sonntägliche Ausreiten der Pferdesammlung und den anschließenden Tanztee kann man hervorragend zu „Couldn’t Let You Drown“ trinken. Kleinere Spielereien wie ein Glockenspiel und zarte Bläsersätze zum Beispiel in „Broken Ears“ runden die Freude beim Hören ab.
Das ist keinesfalls die Neuerfindung der Musik, aber man findet auf „Privileged Woes“ vertraute Klänge und hat fast das Gefühl, als ob man neue Geschichten von alten Freunden erzählt bekommt. Das ist handgemachte, klassisch zeitlose Popmusik mit feinen Melodien und manchmal leicht ironisch angehauchten Texten.
(Bernd Brüggemann)
ARIA Awards
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ARIA Chart Watch, Stand 01.03.2010
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