Guy SebastianRock & Pop/ Plattenbesprechungen Album Review: “Like it Like That” Wir schreiben den November 2003. Am Opernhaus Sydney findet das Finale der ersten Staffel von Australian Idol statt, der australischen Version von „Deutschland sucht den Superstar“. Guy Sebastian besiegt Shannon Noll in einer der meistgesehenen Nicht-Sport-Sendungen der australischen Fernsehgeschichte und wird der erste australische „Superstar“. Während in Deutschland die Show nur als maximal zweites Ziel hat, einen neuen musikalischen Star zu finden, nehmen die Australier dies etwas ernster: Es passiert in den Castings immer wieder, dass die erfreulich fachkundige Jury nach den Songschreiberqualitäten des Menschen, der sich bewirbt, fragt – und diese Eigenkompositionen werden gerne gesehen und gehört. Vielleicht liegt es auch daran, dass beide Finalisten nach wie vor erfolgreich von der Musik leben können: Shannon Noll ist ein angesehener Rockmusiker in seiner Heimat geworden und auch Guy Sebastian hat inzwischen die passende Musik für seine Soul-Stimme gefunden.
Angefangen hat seine Karriere mit einem recht unspektakulären Pop-Album, das Nachfolgewerk war eher R&B-geprägt. Dazwischen wurden ein paar Balladen gestreut, den Rest machte Guy Sebastians unverwechselbare Stimme. Das reichte für zwei Alben, danach bekam er eine kleine Sinnkrise, ausgelöst auch durch mangelnden musikalischen Respekt der manchmal überkritischen Australier und durch Anfeindungen. Beides ließ ihn überlegen, ganz mit dem Gesang aufzuhören.
Statt dessen änderte er sein Aussehen und trennte sich von seinen puscheligen Afro-Locken. Er entdeckte den Gitarren-Pop für sich und schaffte es, auch mit seinem dritten Album erfolgreich zu sein. Drei Alben, drei Mal unterschiedliche Stilrichtungen, drei Erfolge. Dennoch hatte Guy Sebastian nach wie vor nicht das Gefühl, seine musikalische Heimat gefunden zu haben.
Wie so oft im Leben fand er diese an einem Ort, an der er sie am wenigsten erwartet hätte: In Memphis. Dort nahm er 2007 ein Album mit Cover-Versionen von Soul-Klassikern auf und entdeckte ganz nebenbei seine Liebe zu der Motown-Ära.
Davon geprägt ist auch sein fünftes Album „Like it like that“, was zum überwiegenden Teil aus Eigenkompositionen besteht. Der Titelsong, gleichzeitig die erste Single, ist eine schnelle Gute-Laune-Nummer, die sofort ansteckt und in keiner Radio-Playlist fehlen sollte. Dargeboten mit einer Freude und Intensität, die sofort ansteckt. Dennoch ist das Stück für das Album genauso wenig repräsentativ wie die ziemlich verunglückte zweite Single. Das Duett mit seiner amerikanischen Idol-Kollegin Jordin Sparks ist zwar eine hübsche R&B-Schnulze, aber leider auf diesem Album völlig überflüssig.
„Like it like that“ besteht ansonsten aus Musik, die so sehr Soul und Motown ist, dass man sich sofort wieder in die sechziger Jahre zurückversetzt fühlt. Guy Sebastian bekommt eine großartige Spielfläche für seine Stimme und kann sich gesanglich problemlos auf eine Ebene neben Marvin Gaye, Sam Cooke oder Lionel Richie stellen.
Musikalisch wird es trotz des roten Motown/Soul-Fadens abwechslungsreich: Die Balladen wie „Bring yourself“ oder „Perfection“ gehen ans Herz. In „Attention“ fetzen Klavier und Bläsersätze freudig um die Wette und werden nur vom Gesang von Guy einigermaßen unter Kontrolle gehalten. „Magic“ und „Never let you down“ sind einfach niedliche 60er Jahre Stücke, die Spaß machen. Die dritte Single-Auskopplung „All to myself“ mit treibenden Drums und großartigen Harmonien sowie das phantastisch arrangierte „Undo“ sind zeitlos großartiger Soul-Pop vom allerfeinsten.
Guy Sebastian hat mit seinem fünften Werk „Like it like that“ den Beweis erbracht, dass auch Casting-Shows tolle und ernstzunehmende Künstler hervorbringen können. Das fast schon eigenartige daran: Er macht jetzt, was ihm hörbar Spaß macht, und hat trotzdem Erfolg damit. Auch das geht also...
(Bernd Brüggemann)
ARIA Awards
Highest Selling Single (2004, Angels Brought Me Here)
ARIA Chart Watch, Stand 01.03.2010
Alben in den Top 50:
Like It Like That (6, 11.2009)
The Memphis Album (3, 11.2007)
Closer To The Sun (4, 11.2006)
Beautiful Life (2, 10.2004)
Just As I Am (1, 12.2003)
Singles in den Top 50:
Art Of Love (8, 12.2009, with Jordin Sparks)
Like It Like That (1, 08.2009)
Cover On My Heart (32, 08.2007)
Elevator Love (11, 12.2006)
Taller Stronger Better (3, 10.2006)
Oh Oh (11, 03.2005)
Kryptonite (15, 12.2004)
Out With My Baby (1, 10.2004)
All I Need Is You (1, 03.2004)
Angels Brought Me Here (1, 12.2003)
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